Klettern auf glatten Stämmen

Keine Gletscherspitzen erklimmt man mit Sporen dieser Dimension. Reitbare Tiere würden einen Einsatz in ihre Hüften nicht ertragen. Pilotversuche im großen Maßstab für Hahnenkämpfe auf Modell solcher Hacken werden nicht abgehalten.

Es sind die Schuhe des Baum-Arbeiters Christoph, die er mit einem „Austria“ – Klebeband versehen hat, um bei internationalen Wettkämpfen der Treeworker seinen Patriotismus zu zeigen. Speziell für Nadelbäume mit glatten Stämmen wie Föhren, Fichten oder Tannen benötigt man die Steigeisen. Erklimmt werden die Bäume, um dürre Äste zu entfernen. Im Sonderfall werden Bäume auch bestiegen, um sie von oben scheibchenweise abzutragen, wenn die Fällung eines Baumes aus Platz- oder Sicherheitsgründen nicht möglich ist. An den Gebrauchsspuren sieht man, dass er das nicht zum ersten mal macht.

Pilgern nach Mariazell

Nach einem Fußmarsch mit schweren Rucksäcken kehren die Pilger für ein Mittagessen ein. Die Jakobsmuschel haben sie von Santiago de Compostela als Erinnerung an den Camino. Von Klein-Mariazell beim Hafnerberg bis nach Mariazell soll die Route gehen. Bei einem Tagesspensum von etwa 30 Kilometern ist das in drei Tagen zu schaffen. Nach der Besichtigung der Reliquiensammlung  beim FLUHM-Orden in Klein-Mariazell geht es über die Araburg nach Lilienfeld und von dort weiter nach Annaberg, Sankt Sebastian und Mariazell. Via Sacra heißt dieser alte Wallfahrer-Weg und so heißt auch das Menü, welches die Wanderer bestellen. Hier im Gasthaus Renzenhof in Kaumberg ist man an Wallfahrer gewöhnt. Nach dem Bestellen hat Herr Pfeiffer, der Wirt, alle Zeit und Ortskenntnis, um die Tages-Route auf der Wanderkarte zu beprechen. Zum Nachlegen von Briketts zieht der Wirt einen weißen Arbeitsmantel und weiße Handschuhe an. Der gußeiserne Ofen hat Fenster aus Glimmer, man sieht das Feuer flackern. Zuletzt bringt die Köchin noch das Stammbuch und bittet um einen Eintrag.

Schutzschild Schilf

Schilf, so weit man sieht. Schilfmandeln werden aus dem abgeernteten Schilf gestapelt und sind quasi Stamminventar einer pannonischen Landschaft. Egal, ob man seine Eislaufschuhe mitnimmt, einen Trockenanzug oder Badehosen, wer den Neusiedlersee besucht, kennt den breiten Schilf-Gürtel, der den See wie ein Schutzschild umstellt. Mehr als die Hälfte der Wasserfläche ist mit dem Süßgras bedeckt – das sind 180 km2. Das Schilf ist ein wichtiger Lebensraum für Vögel, Säugetiere und Fische. Auch die Südrussische Tarantel lebt hier. Das Ernten des Schilfes ist wichtig für eine Reduktion der Biomasse und um ein Zuwachsen des Sees zu verhindern. Mit Erntemaschinen, die „Seekühe“ heißen, wird das Schilf wie mit einem Mähdrescher geschnitten. Die Schilfschnitter aus der Zeit vor der Automatisierung waren noch mit Sicheln im Röhricht unterwegs und haben von Hand geerntet. Wie der Arbeiter, der gerade Bündel macht. Aus diesen wird dann Dach gedeckt. Dann schützt das Schilf unser Haus.

Eisschollen in Pannonien

Meterhoch getürmte Eisplatten am Südstrand von Podersdorf verstellen den Blick zum Leuchtturm. Zwei Spaziergänger erklimmen mit Mühe den rutschigen Berg. Die Platten gleiten aufeinander wie Kugellager und ein Vorankommen gelingt nur schwer. Die Rettungsleiter, welche im Notfall zur Einbruchstelle eines Eisläufers vorgeschoben wird – damit der Retter sein Gewicht auf eine größere Fläche verteilt – und das Seil, welches dann zugeworfen wird, ist an diesem Tag ein wenig beachtetes Requisit. Kein Eisläufer in Sicht. Die Oberfläche des Sees ist rauh wie ein Schuppenpanzer. Rasch einsetzendes Tauwetter hat die Eisschicht vor einigen Tagen schmelzen lassen, ein Sturm vom Westen her hat die Schollen an das Ufer gedrückt. Ein Neunzigjähriger kann sich an einen ähnlichen Eisstoß erinnern, er war damals noch ein Bub.

Die Geschwister

Es gibt sie doch noch, die Welt ohne Fernsehgerät, ohne Internet, WELAN und ohne Mobiltelefon. An der Arbeit zu einem Buch über das Mühlviertel habe ich den Bauernhof der Ederbauern gefunden. Es ist ein traditioneller Vierkanthof in „Steinblass“-Bauweise, mehrere hundert Jahre alt. Lisl sitzt neben dem Ofen, wo sie gerade die Wäsche trocknet. Ihr Bruder Hubert hört am Esstisch im Herrgottswinkel Radio. Den Tag haben sie mit Melken, Apfelmostherstellung, Sensen schärfen und Hausarbeit verbracht. Gleich wird der Nachbar anläuten und einen Zettel vorbeibringen, mit einem Gedicht für Hubert, das von seinen Freunden am Wochenende zum Hubertus-Tag geschrieben wurde. Hubert mag es, Gedichte zu  lesen und zu schreiben.

Medizinfrau vor der Schwitzhütte

Nicht in Utah oder Arizona hat Medizinfrau Inge ihre Schwitzhütte, sondern in Lunz am See neben dem rauschenden Ybbs-Gebirgsfluss. Sie sitzt beim Altar und schwenkt ihre Friedenspfeife in die vier Himmelsrichtungen. Das Gerüst der Hütte ist aus gebogenen Haselstöcken. Decken in mehreren Lagen bilden dasDach. Fluss-Steine werden im offenen Feuer bis zur Rotglut erhitz und in die Hütte gelegt. Die Steine stellen in der schamanistischen Religion Brüder, Schwestern und Verwandte dar.  Ist man einmal im Schwitzzelt, bewegt man sich in Richtung des Sonnenkreislaufes, also im Uhrzeigersinn. Es ist so finster, dass eine Rassel weitergereicht wird, an denjenigen, der sprechen wird. Die Ahnen werden zu persönlichen Anliegen befragt und zu Themen, welche Mutter Erde betreffen. Tabak und weißer Salbei werden auf die glühenden Steine gestreut, Trommeln und Gesang dringen nach draußen. Eine Sitzung im Schwitzzelt kann einen halben Tag dauern.

Portfolio Food

Es gehört zum Alltag des Fotografen, neben dem Belichten auch Bildanfragen zu bearbeiten und Portfolios zu erstellen. Ich habe den Ausdruck „Werkschau“ für so ein Sammelsurium bereits bestehender Aufnahmen viel lieber. Für die Anfrage eines deutschen Verlages, der ein Buch über regionale österreichische Küche plant, habe ich dieses PDF gemacht. Beim Weiterblättern erscheint auch ein „Kirschenturm mit Blattgoldauflage“, den ich gerne in die Rubrik „Architektur“ verpflanzt hätte.

Portfolio Food (PDF)

Küstenwache in Sardinen

„Salvataggio“ kann man auf dem Aussichtsturm des Rettungsschwimmers lesen: „Rettung“. Um fünf Uhr morgens branden die Wellen heran. Wenn das Salzwasser in den Sand einzieht, gluckst es leise und die Feuchtigkeit hinterläßt einen dunklen Rand. Regenwolken schieben sich auf die Costa Verde zu. Wenn der Rettungsschwimmer der Gemeinde Arbus gegen 9 Uhr seinen Turm besteigt, wird wahrscheinlich noch niemand hier baden. Er wird seinen 8-Stunden Arbeitstag damit zubringen, die Schwimmer zu beobachten.

Der längste Tag des Jahres

Sonnenwende in der Buckligen Welt. Die kürzeste Nacht wird ausgelassen gefeiert. Im Keltendorf in Schwarzenbach wird ein großes Sonnwendfeuer abgebrannt. Hunderte Menschen sind zusammengekommen und wandern in einer Prozession um den Scheiterhaufen. Manche haben Stierhörner am Kopf und ihre Oberkörper mit Okker bemalt. Archaische Fanfarenklänge begleiten den Zug. Dann werfen sie ihre Fackeln in die Mitte und entfachen das Feuer. Die Hitze ist so groß, dass man sich in großem Abstand im Kreis aufstellt. Eine Tänzerin erscheint. Sie hat  lanzenähnliche Lichtspeere und jongliert damit in einem Limbotanz vor der Feuerwand. Ihre kleinen Flammen verschmelzen mit dem Großen zu einer weiß-gelben Plasmafläche.

Ringwolke

Nach langer Fahrt ins Ausseerland werfe ich einen letzten Blick zum Grimmenstein. Das frühe Morgenlicht tauchte den Berg um 5 Uhr in ein glutrotes Licht. Die besten Fotos waren im Kasten – so glaubte ich zumindest, und legte mein Stativ zur Weiterfahrt zusammen. Da formte sich eine ringförmige Wolke und stand minutenlang da, als würde sich die Landschaft selbst durch einen Venus-Spiegel betrachten wollen. Dem Radfahrer war es egal. Beim Vorbeiradeln habe ich ihm zugerufen: „Unglaublich, diese Wolke!“ – „Jo mei, des gibt´s bei uns öfter im Frühjahr……“ Dass hier eine Wetterscheide ist, wissen die Einheimischen.